EIN NEUER KIRCHPLATZ FÜR WALDBRÖL

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  • Wettbewerb Typ: nicht offen
  • Platzierung: 2. Platz
  • Bearbeitung: 05.2015
  • Auftraggeber: Stadt Waldbröl

Die räumliche Situation heute

 

In seiner heutigen Gestaltung fehlt es dem Kirchplatz an der Hochstraße an Eindeutigkeit. Er ist weder „Grünraum“ noch „Stadtraum“. Das historische Kirchengebäude mit seiner markanten Gebäudestruktur liegt „versteckt“ hinter einem Dickicht aus Grün. Die Bewegungsräume sind eingeschränkt und reduzieren sich auf wenige Wegeverbindungen zwischen Kirchengebäude und Hochbeet. Ein queren des Kirchplatzes ist so nicht möglich. Der Eingangsbereich mit seinem historischen Hauptportal ist von der Hochstraße nur schwer einsehbar und wird seiner Bedeutung nicht gerecht. Nördlich der Kirche lässt die begrünte Böschung nur wenige Einblicke zum Kirchengebäude zu. Eine direkte Wegeverbindung zur Kirche ist nicht vorhanden. Insgesamt wirken die an das Kirchengebäude angrenzenden Freiräume „verschlossen“ und unflexibel.

Ziel ist es daher, bestehende Barrieren zu überwinden, störende Trennungen aufzuheben und den Kirchplatz zu einem multifunktionalen Stadtplatz zu entwickeln, der mit den angrenzenden Bereichen einen zusammenhängenden Freiraum bildet. Eine einheitliche, klare und reduzierte Gestaltungssprache soll den Kirchplatz als Gesamtraum wieder erlebbar machen.

Die ganzheitliche Betrachtung des umliegenden Stadtraumes spielt dabei eine wesentliche Rolle, um den Kirchplatz als Ort des Aufenthalts und der Begegnung zu entwickeln und an die angrenzenden Stadträume anzubinden bzw. vorhandene Anknüpfungspunkte zu stärken.

 

Freiraumkonzept

 

Die Saalkirche mit ihrem historischen Kirchturm als ältestes Gebäude der Stadt, bildet den Mittelpunkt um den sich die unterschiedlichen Freiräume angliedern. Der im unmittelbaren Umfeld der Kirche durchgehend freigehaltene Freiraum definiert ein klares Fundament auf dem das Gebäude steht und hebt das Gebäude als stadtbildprägendes Bauwerk hervor.

Für den sich daran anschließenden Kirchplatz sieht der Entwurf vor, die vorhandenen Hochbeete mit ihrer dichten Gehölzstruktur zurückzubauen, um die visuelle wie auch stadträumliche Barriere aufzuheben und den Kirchplatz zum historischen Stadtraum hin zu öffnen. Die Funktionen der vorhandenen und somit vertrauten Ausstattungselemente werden aufgegriffen, gestalterisch neu interpretiert und in das Bild des städtisch geprägten Kirchplatzes integriert. Nördlich der Kirche wird die dichte Grünstruktur zurückgenommen und ein „Garten der Erinnerung“ geschaffen. Die freiwerdenden Flächen werden nutzbar umgestaltet. Die Stützmauer an der „Alten Rathausstraße“ wird bis zum Treppenaufgang an der Kaiserstraße zurückgenommen und nach innen verschwenkt.

Als einladende Geste entwickelt sich eine großzügige Treppenanlage aus der topographischen Gegebenheit heraus und leitet Besucher wie Anwohner hinauf zum historischen Eingangsportal der Kirche. Durch einen einheitlichen Bodenbelag wird der Entree-Bereich mit dem Kirchplatz gestalterisch zusammengeführt.

 

Freiraumfunktionen

 

Der neue Kirchplatz lädt zum Verweilen ein, schafft Großzügigkeit und entwickelt durch seine Durchlässigkeit, die nötige Flexibilität für vielfältige Nutzungen im öffentlichen Raum. So werden die festen, raumwirksamen Einbauten an den Platzrändern angeordnet. Die zentrale Platzfläche, sowie das unmittelbare Umfeld des Kirchengebäudes, bleiben frei von festen Einbauten. Lediglich das Wasserspiel in Form eines Düsenfeldes wird zentral auf der Platzfläche integriert. Durch seine belagsbündige Integration in die Platzoberfläche stellt es aber keine Barriere im Stadtraum dar und kann temporär ausgeschaltet werden um die Fläche an Markttagen oder bei sonstigen Veranstaltungen ungehindert zu queren.

Um temporär nutzbaren Freiraum auf der nördlichen Rückseite zu gewinnen, wird der ebene Bereich zu einer Schotterrasenfläche gestaltet und bleibt so unversiegelt. Die begrünte Fläche gliedert sich an die umliegenden Grünstrukturen an, kann aber gleichzeitig durch seine Nutzbarkeit temporär für Veranstaltungen verwendet werden. Die vorhandenen Grabsteine an der rückseitigen Kirchenfassade werden aufgenommen und an die gegenüberliegende Seite verlagert. Eine neue Treppenanlage führt von der „Alten Rathausstraße“ hinauf zur Kirche und schafft so eine direkte Verbindung. Die vorhandenen Sträucher werden entfernt; einzelne Rhododendron werden an die untere Böschungskante verlagert um den rückwertigen Bereich besser einsehbar zu machen und gleichzeitig einen unverstellten Blick auf das Kirchengebäude zu ermöglichen. 

 

 

 

Ausstattung und Materialität der Freiräume

 

Der Kirchplatz ist durch eine klare und reduzierte Gestaltungssprache gekennzeichnet. Prägendes Element ist eine parallel zur Kirchenfassade verlaufende Bankreihe, die einen ruhigen und angenehmen Aufenthaltsbereich ermöglicht. Das elegante und puristische Sitzelement folgt dabei den gestalterischen Grundsätzen der Platzgestaltung. Es gliedert den Platz, ohne sich aufzudrängen. Sitzauflagen aus Holz schaffen einen angenehmen Sitzkomfort und laden Besucher zum Verweilen ein. Unterbrochen wird das Sitzmöbel von geschnittenen Kaiserlinden, die durch ihr Blätterdach lichte Schattenbereiche definieren und somit wesentlich zu einer angenehmen Aufenthaltsmöglichkeit beitragen. Gleichzeitig wir durch das dachförmige Formgehölz die Fassade des markanten Kirchengebäudes nicht verstellt und bleibt somit in seiner Prägnanz sichtbar. Ein Kronenansatz von 2,25 ermöglicht gleichzeitig ein problemloses Stehen unterhalb des Blätterdaches.

Parallel zu den Sitzbänken ist ein Wasserspiel in Form eines Düsenfeldes in den Bodenbelag integriert. Die niedrigen Wasserfontänen bieten eine schöne Spielmöglichkeit für Kinder und unterstreichen zugleich die hohe Aufenthaltsqualität.

Der Standort des Denkmals  bleibt weitestgehend erhalten. Der vorhandene Parkscheinautomat wird auf die gegenüberliegende Seite verlagert.

Durch das gezielte Entfernen der Bäume, werden Blickbeziehungen gestärkt bzw. neue geschaffen. Hochwertige Baumpflanzungen an den Platzrändern verstärken den atmosphärischen Wert und bilden gleichzeitig ein raumbildendes und gliederndes Element.

Die Fassade des Kirchengebäudes bildet nicht nur die rückliegende Platzkante, sondern verleiht durch seine besondere Steinstruktur dem Stadtraum einen einzigartigen, individuellen Charakter. Bei der Wahl der Oberflächenmaterialität greift der Entwurf diese historische Fassadenstruktur auf und überträgt sie auf die Platzgestaltung. Die Oberfläche aus unterschiedlichen großen Betonsteinelementen gewährleistet eine angenehme und sichere Begehbarkeit.